über die Familie Brauer


Seit 1804 ist die Familie Brauer in Rade am Schirnauer See ansässig. Hans Brauer, geboren im Jahre 1782, siedelte aus beruflichen Gründen von Breiholz nach Rade, um dort als Lehrer tätig zu werden. Im Sommer fuhr er zusätzlich zu seiner Lehrertätigkeit zur See, denn von seinem Lehrergehalt allein konnte er nicht leben. Seine Nachkommen, welche den Beruf des Fischers nachgingen, fischten ausweislich des Urteils des Königl. Preuss. Kreisgerichts Itzehoe vom 20.11.1878 ab 1851 im Audorfer See und Schirnauer See.

Ende des 19. Jahrhunderts prozessierte die Stadt Rendsburg mit den am Audorfer See (teilweise), Borgstedter See mit Enge und Schirnauer See angrenzenden Gemeinden Borgstedt, Büdelsdorf, Lehmbek, Rade und Schacht-Audorf sowie den angrenzenden Gutsbezirken Schirnau und Steinwehr, um die ihr – angeblich - verliehenen und beanspruchten Fischereirechte an den Obereiderseen gerichtlich festzustellen. Die Gemeinden und Gutsbezirke wehrten sich. Erst das Reichsgericht Leipzig wies mit Urteil vom 13.01.1880 das Begehren der Stadt Rendsburg endgültig ab. Die Fischereirechte an den Obereiderseen standen somit zweifelsfrei im Eigentum der Stadt Rendsburg (teilweise Audorfer See) sowie im Übrigen im Eigentum der angrenzenden Gemeinden und Gutsbezirke.

Auch vor und nach der gerichtlichen Klärung der Eigentumsverhältnisse der Fischereirechte in den Obereiderseen sowie nach der Inbetriebnahme des Nord-Ostsee-Kanals (zunächst als Kaiser-Wilhelm-Kanal bezeichnet) im Jahre 1895 fischte die Familie Brauer im Rahmen von Fischereipachtverträgen mit Gemeinden und Gutsbezirken in wechselnden Bereichen weiter, z. B. im Audorfer See und im Schirnauer See. Im Jahre 1910 löste das Deutsche Reich (Kanalverwaltung) im Zuge des Ausbaus des Nord-Ostsee-Kanals die Fischereirechte der Stadt Rendsburg, der Gemeinden und der Gutsbezirke am Audorfer See, Borgstedter See mit Enge und Schirnauer See zu einem Betrag von 277.500 M ab. Seit diesem Zeitpunkt konnte die Familie Brauer ununterbrochen im Audorfer See, Borgstedter See mit Enge sowie Schirnauer See und zu späteren Zeitpunkten ergänzend Ausbaustrecken des Nord-Ostsee-Kanals im wechselnden Umfang auf der Grundlage von Fischereipachtverträgen mit dem Deutschen Reich (Kanalverwaltung) sowie mit der Bundesrepublik Deutschland (Bundeswasserstraßenverwaltung) befischen. Die Pachtfläche im Nord-Ostsee-Kanal erstreckt sich heute von Kanal-km 65,39-79,11, d. h. etwa von der Fähre Nobiskrug bis zum westlichen Beginn der Weiche Königsförde einschließlich Audorfer See, Borgstedter See mit Enge und Schirnauer See. Etwa 16 km lang ist die Pachtstrecke und weist eine Fläche von etwa 420 ha auf.

Mit dem 1954 geborenen Hans-Heinrich Brauer übte die Familie Brauer die Fischerei in den Obereiderseen und in Ausbaustrecken der Wasserstraße bereits in der 5. Generation aus. Für die Zeit ab 01.07.2017 gibt Hans-Heinrich Brauer nach einem langen „Fischerleben“ den Fischereibetrieb ab. Fortan führen Claudia Pfalzgraf, geb. Brauer, und Thomas Philipson den Fischereibetrieb Brauer in Rade weiter.

Die Familie Brauer übte die Fischerei nicht nur in den vorstehend genannten Gewässern aus. Zeitweise wurden ergänzend Bereiche des ehemaligen Schleswig-Holsteinischen Kanals (Eiderkanal) von Steinwehr bis Klein Königsförde bis 1919 befischt. Auch danach verblieb die Fläche noch in der Nutzung der „erweiterten“ Familie Brauer: Als „Mitgift“ übernahm sie zeitweise der Fischer Jürgen Stuck, Borgstedt, der Katharina Brauer geheiratet hatte.

Das Wohn- und die Wirtschaftsgebäude sowie die Hafenanlagen für die Fischerei befanden sich unmittelbar am Ufer des Schirnauer Sees. Der Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals im Rahmen des Sicherungsprogramms ab 1965 traf die Familie Brauer in einem besonderen Maße. Das Wohn- und die Wirtschaftsgebäude sowie die Hafenanlagen mussten infolge der Ausbaumaßnahmen beseitigt werden. An anderer Stelle am Schirnauer See entstanden die heute noch vorhandenen und teilweise im Laufe der Zeit veränderten Wohn- und Wirtschaftsgebäude sowie ein kleiner Fischereihafen.

Der Nord-Ostsee-Kanal ist aufgrund des Einstroms salzhaltigen Wassers aus der Unterelbe und der Kieler Förde zu einem Brackgewässer geworden. Neunaugen und Fische können aus der Unterelbe, der Kieler Förde und den zahlreichen Zuflüssen in den Nord-Ostsee-Kanal einwandern, um die Wasserstraße dauerhaft oder temporär zu besiedeln. Im Nord-Ostsee-Kanal sowie im Gieselaukanal vom Nord-Ostsee-Kanal bis zur Schleuse erfolgte seit der Inbetriebnahmen in den Jahren 1895 und 1937 der Nachweis von zwei Neunaugen- und 88 Fischarten.

 

„Der Kaiser Wilhelm-Kanal ist nur in schiffahrtlichem Interesse erbaut. Die Tatsache, daß nach seiner Erbauung auch Fische in den Kanalgewässern auftauchten, war ungewollt.“

Auszug aus einem Schreiben des ehemaligen Reichskanalamtes vom 21.7.1934 an den ehemaligen Regierungspräsidenten in Schleswig

 

Von den zahlreichen im Nord-Ostsee-Kanal festgestellten Fischarten werden durch den Fischereibetrieb Brauer vor allem Hering, Zander, Aal und Flunder sowie weniger beispielsweise Barsch und Brassen gefangen. Gefischt wird je nach Jahreszeit und Fischart mit Bundgarnen, Schlepp-, Stellnetzen oder Reusen. Im Rahmen der Aquakultur werden seit einigen Jahren im Schirnauer See in Rundkäfiganlagen Lachsforellen aufgezogen.

Die Familie Brauer beschränkt sich jedoch nicht ausschließlich auf die Ausübung der Fischerei sowie einer überwiegend direkten Vermarktung des Fanges vor Ort. Zusätzlich bestehen touristische und gastronomische Angebote. Das „Rader Heringsfest“ wird seit 1990 während der Hauptlaichzeit des Herings im Nord-Ostsee-Kanal in Rade gefeiert. Es findet z. Zt. an drei Sonntagen um Ostern statt. Ab 1993 können bis zu sieben Ferienwohnungen in unterschiedlicher Größe gemietet werden. Ferienwohnungen werden sowohl in der Haupt- wie auch in der Nebensaison von Urlaubern aus „aller Herren Länder“ genutzt, um hier am Schirnauer See die internationale Schifffahrt im Nord-Ostsee-Kanal und die Natur am Wasser zu erleben. Die Familie Brauer lädt seit 1995 in die rustikal eingerichtete Gastwirtschaft „Brauer’s Aalkate“ am Ufer des Schirnauer Sees Gäste vor allem zu Fischgerichten (überwiegend aus eigenem Fang aus dem Nord-Ostsee-Kanal) aber auch zu Fleischgerichten sowie den passenden Getränken ein. Außerdem besteht die Möglichkeit, am kleinen Fischereihafen fangfrische Fische aus der eigenen Fischerei oder in „Brauer‘s Aalkate“ in der eigenen Räucherei geräucherte Fische für zu Hause zu erwerben.

 

Viel Spaß und guten Appetit!

 

Ihre Familie Bauer

 

Erstellt nach Angaben der Familie Brauer,

sowie ergänzt durch eigene Erhebungen durch Herrn Dieter Czerny.

 

Unsere Ahnentafel

Heinrich Brauer *1728 Lehrer Anna Margarethe Brauer (geb. Pahl)
Hans Brauer *1782 Lehrer Anna Maria Brauer (geb. Lütje)
Hans Brauer *1826 Dienstknecht & Fischer Catharina Brauer (geb. Asmus)

Hans-Friedrich Brauer

*1850 Ziegler & Fischermeister Anna Brauer (geb. Rohwer)
Hans Brauer *1881 Fischermeister Anna Brauer (geb. Kock)
Hans-Friedrich Brauer *1904 Fischermeister Betti Brauer (geb. Frahm)
Hans-Heinrich Brauer *1954 Fischermeister Gerda Brauer (geb. Fichter)
Inga Brauer *1982 Lehrerin Stefan Brauer (geb. Hark)
Mika Brauer *2013    
Ole Brauer *2016    
Claudia Pfalzgraf, geb. Brauer *1984 Lehrerin & Fischwirtin Matthias Pfalzgraf
Rune Pfalzgraf *2016    
Sina Brauer *1988 Studentin  Thomas Philipson (Fischer)